TAHRIR

Ad de Bont
Schweizer Erstaufführung

Kurzbeschrieb

Am 6. Juni 2010 wurde der junge Ägypter Khaled Said in Alexandria von zwei Männern der gefürchteten staatlichen Sicherheitskräfte zu Tode gefoltert. Die Justiz weigerte sich damals den Fall genauer zu untersuchen und stellte die absurde Behauptung auf, der 28-Jährige sei drogensüchtig gewesen und an einem Haschisch-Päckchen erstickt, das er in Panik vor der Polizei herunterschluckte. Es war nicht das erste Mal, dass ägyptische Polizisten Menschen misshandelten, auch nicht das erste Mal, dass jemand dabei starb. Doch diesmal regte sich heftiger Protest – der längst schlummernde Unmut in der Bevölkerung fand ein Ventil. Auf der Facebook-Seite «We are all Khaled Said» forderte man Gerechtigkeit für das Opfer und es kam zu Demonstrationen, die sich im Januar 2011 zu Massenkundgebungen gegen das autokratische Dauerregime Mubarak ausweiteten. Der Tahrir-Platz wurde in der Folge zu einem Zentrum des «Arabischen Frühlings», zu einem pulsierenden Mahnmal der Empörung.

In seinem 2013 uraufgeführten Stück bringt der erfolgreiche niederländische Dramatiker Ad de Bont (*1949) die aktuelle Umbruchsituation in Ägypten in assoziative Verbindung mit Schillers 200-jährigem Befreiungsdrama Wilhelm Tell und untersucht so die Grundfragen politischen Handelns gegen eine diktatorische Macht. Er erzählt die fiktive Geschichte der Familie Abdel Baset, die in ihrem Kampf um Freiheit und Menschenwürde, auf ihrer Suche nach dem «richtigen» Weg durch diese unruhigen Zeiten, beinahe zerstört wird. Es ist ein eindrückliches und hochaktuelles Familiendrama zwischen Tyrannenmord, Facebook und Koran.

Werkeinführung jeweils 30 Minuten vor allen Vorstellungen.
Im Anschluss an ausgewählte Aufführungen wird ein Publikumsgespräch mit Leitungsteam und Ensemble angeboten. Termine: 13 November, 19. November, 5. Dezember (weitere folgen)

Dauer
1 Stunde 25 Minuten (keine Pause)

Ort
Solothurn: Rythalle
Biel: Stadttheater

Unterrichtsmaterialien
Das Stück bietet für den Schulunterricht verschiedene spannende Anknüpfungspunkte: Die Aktualität des Stoffes, die Verbindung zu Schillers «Tell», die Protestbewegung in Ägypten im Kontext von Demokratiebestrebungen in verschiedenen Teilen der Welt - sowie die Suche nach einem eigenen Bedürfnis, etwas zu verändern.
Die Materialmappe liefert Hintergrundmaterial und konkrete Vorschläge für den Unterricht. Gerne unterstützen wir Sie auch mit einem vorbereitenden Workshop oder einer Nachbesprechung im Schulhaus.
Weitere Informationen und Downloads

Pressestimmen

«Die spürbare Betroffenheit des Publikums, das das schnörkellose, intensive Spiel des Ensembles zu Recht mit grossem Applaus würdigte, mag zum einen in der Frage liegen «Wie hätte ich gehandelt?», zum andern in der Erkenntnis, dass Apfelschuss und Tyrannenmord des - eigentlich unpolitischen - «Märchenhelden» Wilhelm Tell eine Legende sind.»
Angelica Schorre, Solothurner Zeitung, 04.11.2014

Weitere Pressestimmen

Trailer

Besetzung

Inszenierung
Bühne und Kostüme
Dramaturgie
 

Jasmina Elhagrasy
Hazem Sami Abdel Baset
Omar Mahmud Abdel Baset
Israa Abdel Baset
Razik Abdel Wahab / Kommandant Salama

Auswärtige Vorstellungen

Di
04.11.14
19:30
Stadttheater Olten
 
deutsch
français