Inhalt
Inspiriert und mit neuen Kräutern und anderen Trouvaillen bepackt, kommt Circe von einer Reise auf ihre Insel Aiaia zurück – und stellt fest, dass sich inzwischen auch hier, auf dem einst abgelegenen Eiland, Menschen aufhalten. Beim Auspacken kommt sie ins Erzählen: von ihrer mächtigen Titanen-Familie, zu der sie nie zu passen schien; von ihrer Liebe zur Natur und zu Kräutern; und davon, wie sie eine Nymphe in ein Seeungeheuer und Männer in Schweine verwandelte – und damit ungewollt berühmt wurde. Vor allem aber erzählt Circe die Geschichte einer Aussenseiterin, die es schafft, sich selbst zu behaupten, ihre eigenen Kräfte zu entdecken und ihr Anderssein zu akzeptieren.
Weitere Informationen
Dauer: 60 Minuten ohne Pause
Altersempfehlung: 12+
Mobile Produktion: Dieses Stück kommt zu Ihnen: Ins Klassenzimmer, in den Vereinsraum oder zu Ihrem Privatanlass. Buchung unter: jts[at]tobs.ch
Weitere Materialien zur Vor- und Nachbereitung für Schulen auf Anfrage: jts[at]tobs.ch
Janna Mohr
© Joel Schweizer
Besetzung
Besetzung
Regie und Text Svea Haugwitz und Janna Mohr
Ausstattung Mina Trapp
Musik und Sounddesign Dominic Röthlisberger
Produktionsleitung Lisa Kernen
Umsetzung Requisite Line Wickart
Entwicklung Kostüm Nathalie Zürcher (Gewandmeisterin Damen)
Perücke und Maske Barbara Grundmann-Roth
Theaterpädagogik Elena von Graffenried
Assistenz und Inspizienz Mirjam Zoss
Technische Einrichtung & Licht (Vorstellungen Stadttheater) Samuele D'Amico
Es spielt Janna Mohr
Technik
Technik
Technischer Direktor Günter Gruber
Leitung Ausstattung und Werkstätten Vazul Matusz
Leitung Schneiderei Gabriele Gröbel
Schneiderei Catherine Blumer | Natalie Zürcher (Gewandmeisterinnen Damen) | Janine Bürdel | Sarah Stock (Gewandmeisterinnen Herren) | Christine Wassmer (Admin. Stellvertreterin) | Katrin Humbert | Dominique Zwygart
Ankleiderin Anja Wille
Technischer Leiter Adrian Kocher
Bühnenmeister Biel Samuele D'Amico
Bühnenmeister Solothurn Rémy Zenger
und das Technik-Team TOBS!
Die Ausstattung wurde in den eigenen Werkstätten hergestellt.
Objekttheater
Circe ist bekannt durch ihre Verwandlungszauber: Sie verwandelt Sterbliche in Götter, Nymphen in Seeungeheuer und Männer in Schweine. Da bietet es sich an, ihre Geschichte mit den Mitteln des Objekttheaters zu erzählen, denn dieser Darstellungskunst liegt ebenfalls ein Zauber inne: Totes Material wird lebendig, Objekte werden Figuren. Dank der Animation durch die Darstellerin können Armreifen sprechen, Ohrringe sich vor Lachen kugeln, Blätter und Gläser zum Sinnbild für Kräfte und Körper werden – und aus einem gestrickten Netz, Wollknäueln und Stricknadeln wird ein selbstgefälliger Gott. Lebendig werden die Dinge dabei nicht allein durch die Animationskunst, sondern letztlich nur durch die Imaginationskraft des Publikums. So ist das Objekttheater einerseits eine abstrahierende Kunstform, weil sie Menschliches in Dinge und Material projiziert, andererseits lädt es umso mehr dazu ein, mit der eigenen Gedankenkraft – und somit auch emotional – dabei zu sein; denn erst mit Fantasie des Publikums gelingt der Zauber endgültig.

Kostüme
Circe tritt als Erzählerin ihrer eigenen Geschichte auf und trägt ihre Biografie in Form ihres Kostümes mit sich. Wenn sie beginnt, zu erzählen, wachsen ihre Erinnerungen und Erfahrungen buchstäblich aus ihr heraus!
Dabei unterstützt das Kostüm Circes Wesen als Zauberin und Verwandlungskünstlerin. Ihre Fähigkeit zur Transformation richtet Circe nicht nur auf andere, sondern auch auf sich selbst. So nimmt sie innerhalb ihrer Erzählung unterschiedliche Formen und Figuren an. Mit ihren diversen Kleidungsschichten, die sie nach und nach ablegt, mit dem spielerischen Umgang mit Stoff und Schmuck, sowie überraschenden Effekten einzelner Kleidungsstücke, zaubert Circe aus ihrem Kostüm immer wieder aufs Neue hervor, was sie braucht, um ihre Gedanken und Erlebnisse sichtbar zu machen.
Mit jeder Episode, die Circe mit dem Publikum teilt, legt sie eine Schicht ab – Schichten, die sie lange mit sich getragen hat und die schwer auf ihr lasten. Am Ende ihrer Erzählung ist sie leicht wie ein Vogel, befreit von der Last der Vergangenheit.

Musik
Für die Musik von Circe greift Dominic Röthlisberger zum Theremin – ein elektronisches Instrument, das berührungslos gespielt wird und schwebende, sinusförmige Klänge erzeugt: von zarten Vibratos bis zu aufheulenden Glissandi. In Kombination mit akustischen Instrumenten entstehen Klänge, die Circes innere Zerrissenheit zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit spiegeln und von der Entdeckung ihrer Kraft berichten.
Janna Mohr
© Joel Schweizer
Woher wir von Circe wissen
Circe wird in unterschiedlichen Quellen der griechischen Mythologie erwähnt:
Ovid «Metamorphosen»
Ovid «Metamorphosen»
Im 14. Buch wird beschrieben, wie Circe aus Eifersucht die Nymphe Skylla in ein Ungeheuer verwandelt, nachdem Glaukos sie um einen Liebestrank gebeten hat. Laut Ovid ist es jedoch nicht Circe, sondern Glaukos selbst, der zufällig auf magische Kräuter stösst, die ihn zum Gott verwandeln. Den König Picus hat Circe laut Ovid ebenfalls aus Eifersucht verwandelt – in einen Specht (wie der Vogel auch heute noch im Lateinischen heisst). Auch die Anwesenheit Odysseus auf Circes Insel und die verwandelten Schweine werden in den «Metamorphosen» erwähnt.
Homer «Odyssee»
Homer «Odyssee»
Die Irrfahrten des Odysseus auf dem Heimweg nach dem Trojanischen Krieg; er begegnet dabei u. a. Circe, die seine Mannschaft in Schweine verwandelt. Mithilfe von Hermes gelingt es ihm, Circe auszutricksen. Danach lebt er gemeinsam mit seiner Mannschaft noch ein Jahr bei Circe, bevor sich alle gestärkt weiter auf den Weg Richtung Heimat (Ithaka) machen.
Eugamon/Kinaithon von Kyrene «Telegonie»
Eugamon/Kinaithon von Kyrene «Telegonie»
Fortsetzung der Odyssee, in der Circe und Odysseus einen oder mehrere Söhne haben, von denen einer (Telegonos) Aiaia verlässt, um seinen Vater in Ithaka zu suchen und ihn (aus Versehen) tötet. Circe verschwestert sich daraufhin mit der Witwe Penelope, die ebenfalls einen Sohn von Odysseus hat.
Argonautensage (div. Autoren)
Argonautensage (div. Autoren)
Die Sage handelt von Iason und seinen Gefährten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies. In Kolchis verliebt sich Medea in Iason, der das Goldene Vlies von ihrem Vater Aiëtes fordert. Letztlich tötet Medea für einen Zauber ihren Bruder und flieht mit Iason. Circe führt später ein reinigendes Ritual an den beiden durch, um sie vom Zorn der Götter zu befreien.
Circe - Trailer
Hexenverfolgung
Drei Jahrhunderte dauerte die Hexenverfolgung in Europa an, wobei sie sowohl ihren Beginn als auch ihr Ende in der Schweiz fand: Im Waadtland ist im 15. Jahrhundert die erste Anklage der Hexerei verbrieft; die letzte Verbrennung einer Hexe fand 1782 in der Schweiz statt.
Menschen, die der Hexerei beschuldigt wurden, waren dem Volksglauben nach verantwortlich für unerklärliches Leid wie Krankheiten, Missernten und Tod. Angeklagt wurden in der Regel Menschen, die in ihrem Aussehen und/oder Verhalten nicht der Norm entsprachen; die in irgendeiner Art und Weise «anders» waren: im «Hexenhammer», der 1448 vom Papst beauftragt wurde, nannte man als Gründe «Praktiken, die den öffentlichen Frieden gefährden.»
Doch nicht nur die katholische Kirche befeuerte die Hexenjagd. Je nach Zeit und Land spielten unterschiedliche religiöse Konflikte eine Rolle: Christen beschuldigten Heiden der Hexerei, Protestanten Katholiken und umgekehrt. Das Wort «Hexensabbat» leitet sich vom jüdischen Sabbat ab. Hier ging also die Anklage der Hexerei mit Antisemitismus einher.
Neben der religiösen Motivation ist ein weiteres Merkmal der Hexenverfolgung ein Patriarchales: 80% der 40.000 Opfer sind Frauen. Und auch hier traf es insbesondere Minderheiten; Frauen, die nicht entsprechend der Norm lebten: Frauen, die sich leger und locker kleideten; Frauen, die in gleichberechtigten oder matriarchalen Gemeinschaften lebten. Besonders oft wurden auch Hebammen und Heilerinnen angeklagt, weil sie als Ärztinnen unter anderem Abtreibungen durchführten, was der Kirche zuwiderlief. Verdächtig waren ebenso alleinstehende, von Männern unabhängige Frauen.
Noch heute prägt das Bild der alten, isoliert lebenden Hexe unsere Vorstellungswelt. Märchenbilder von der guten Prinzessin, dem lieben Mädchen und der bösen Frau, der alten Hexe befeuern diese Dichotomie. Umso wichtiger ist es, heute andere Geschichten von Hexen zu erzählen – von starken Frauen, die allein ihren Weg finden; von Frauen, die «gut» und «böse» sein können, die sich ihre Fehler eingestehen und ihre Kräfte zu nutzen wissen.
Wer mehr dazu wissen möchte, dem sei die Arte-Doku «Hexen – Chronik eines Massakers» (Regie Marie Thiry, 2025, 89Min.) empfohlen. Link zur Doku in der Arte-Mediathek

Unterstützung
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Elisabeth Bachtler Stiftung





Trägerschaft
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Stadt Biel
Stadt Solothurn (mit Unterstützung von Kanton und Gemeinden der Repla Solothurn)
Kanton Bern
Gemeindeverband Kulturförderung Biel/Bienne-Seeland-Berner Jura
Impressum
Impressum
Herausgeber:
Theater Orchester Biel Solothurn TOBS!
www.tobs.ch
Saison 2025/26
Programm Nr. 1 TOBS! Jung
Intendant: Dieter Kaegi
Redaktion: Svea Haugwitz
Layout: Aline Boder
Gestaltung: Republica AG
Fotos: Joel Schweizer
Fotoauswahl: TOBS!
Februar 2026
Textnachweise:
Text «Kostüme» Mina Trapp
Text «Musik» Dominic Röthlisberger
Alle anderen Texte sind Originaltexte der Redaktion.
Fotografieren, Filmen sowie Tonaufnahmen sind während der Vorstellung aus urheber-rechtlichen Gründen nicht gestattet.
Die Veranstaltungsplakate können an der Theaterkasse erworben werden.
Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung zur Inszenierung: direktion[at]tobs.ch










