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Digitales Programmheft

Falstaff

Michael William Balfe

Handlung

1. Akt

Sir John Falstaff ist notorisch pleite. Mr Page verlangt vergeblich eine grössere Summe zurück, die ihm Falstaff schuldet. Mr Ford versucht zu beschwichtigen.

Falstaff lässt drei Damen Liebesbriefe zustellen: den Ehefrauen von Ford und Page sowie Annetta, Pages Tochter. 

Rosa Ford reagiert erstaunt auf Falstaffs Brief und stellt fest, dass Mrs Page und Annetta identische Briefe von ihm bekommen haben. Die Frauen beschliessen, Falstaff eine Falle zu stellen.

Carlo Fenton, der in Annetta verliebt ist, hat von den Briefen erfahren. Er misstraut Annetta und warnt auch Ford vor Falstaff. Ford beschliesst, sich als «Mr Brook» bei Falstaff vorzustellen und als Verehrer von Rosa Ford auszugeben. Auf diese Weise hofft er zu erfahren, ob seine Frau ihn betrügt.

Mrs Quickly überbringt Falstaff eine Einladung zum Rendezvous mit Rosa. Kurz darauf erscheint Ford verkleidet und bietet Falstaff Geld an, wenn er Rosa Ford für ihn erobert. Falstaff verrät, dass er ohnehin noch am selben Morgen mit ihr verabredet ist. Ford schäumt vor Eifersucht.

Rosa bereitet sich auf das Treffen mit Falstaff vor. Kaum ist er da, stürmt wie verabredet Annetta herein und warnt, dass Ford nach Hause komme. Der Plan der Frauen geht auf: Sie überreden Falstaff, sich in einem Wäschekorb zu verstecken, lassen diesen jedoch ausleeren.

Ford stürmt mit einer grossen Menschenmenge herein und sucht nach Falstaff. Auch Fenton streitet mit Annetta. Die Frauen ärgern sich über die Eifersucht der Männer.

2. Akt

Falstaffs Schicksal ist Tagesgespräch: Man glaubt, er sei ertrunken. Aber er konnte sich retten.

Mr Page versucht Fenton zu überzeugen, dass Annetta ihn noch liebt, doch Fenton denkt an Trennung. 

Rosa Ford gibt sich untröstlich über das Vorgefallene und bittet Falstaff, sich um Mitternacht mit ihr zu treffen. Erneut erscheint Ford auf der Suche nach dem Liebhaber seiner Frau. Rosa überredet Falstaff, Frauenkleider anzuziehen, um unerkannt zu bleiben.

Annetta und Fenton finden endlich zusammen. Sie wollen mit allen anderen zusammen Falstaff einen Streich spielen.

Wie von Rosa gewünscht, kommt Falstaff maskiert zum Rendezvous. Dort wird er umringt von «Hexen» und «Geistern»…

Weitere Informationen

Dauer: ca. 2 Stunden 30 Minuten inkl. Pause
Altersempfehlung: 10+

Falstaff
Oper in zwei Akten in italienischer Sprache
Musik von Michael William Balfe / Libretto von Manfredo Maggioni
nach William Shakespeares «The Merry Wives of Windsor»

Uraufführung 19.07.1838, Her Majesty’s Theatre, London 

Herausgegeben 2008/2015 von Valerie Langfield auf Basis der Originalquellen

Reduzierte Fassung (2026) von Valerie Langfield

«Der Stil einer ganzen Epoche»
 

Dirigent Franco Trinca über Balfes «Falstaff»

zum Interview

Besetzung

Besetzung

Musikalische Leitung Franco Trinca
Nachdirigat Riccardo Fiscato 
Inszenierung Dieter Kaegi
Bühnenbild und Kostüme Dirk Hofacker
Lichtgestaltung Samuele D’Amico
Chorleitung Valentin Vassilev
Dramaturgie Meike Lieser
Regieassistenz und lnspizienz
Larissa Copetti-Campi | Damien Liger
Korrepetition Riccardo Fiscato | Clémence Hirt

Sir John Falstaff Leonardo Galeazzi
Mrs Rosa Ford Bianca Tognocchi
Mr Ford Charles Rice
Mr Carlo Fenton Remy Burnens
Miss Annetta Page Marta Pluda
Mr Page Konstantin Nazlamov
Mrs Page Gemma Ní Bhrain
Mrs Quickly Anastasia Evdaimon *
Cameriere Leo Vettoretti
Cameriera Michèle Péquegnat

Chor TOBS!
Sinfonieorchester Biel Solothurn TOBS!
* Studierende der Hochschule der Künste Bern, Schweizer Opernstudio

Technik

Technik

Technischer Direktor Günter Gruber
Leitung Ausstattung und Werkstätten Vazul Matusz
Leitung Schneiderei Gabriele Gröbel (bis 31.07.26) | Steffi Rehberg (seit 01.08.26)
Technischer Leiter Adrian Schubert  

Schreinerei Steven McIntosh | Raphael Schärer
Malsaal Daniel Eymann (Leitung) | Julian Scherrer (bis 31.07.26)
Dekorationsabteilung Ursula Gutzwiller (Leitung, bis 31.07.26)

Maske und Frisuren Oper Sandra Widmer (Leitung) |
Miriam Krähenbühl
Requisiten Simon Kleinwechter (Einrichtung und Vorstellungen) |
Arno Jäger (Vorstellungen)

Kostümabteilung Christine Wassmer (Admin. Stellvertreterin) | Catherine Blumer | Nathalie Zürcher (Gewandmeisterinnen Damen) | Janine Bürdel | Sarah Stock | (Gewandmeisterinnen Herren) | Katrin Humbert | Dominique Zwygart (Schneiderinnen)
Ankleiderinnen Lara Studer | Museng Fischer | Pascale Berlincourt | Verena Graber

Bühnenmeister Biel Samuele D'Amico
Bühnenmeister Solothurn Rémy Zenger
Technische Einrichtung Pia Marmier
Ton und Video Matthias Daprà

und das Technik-Team TOBS!

Leitung Beleuchtungsstatisterie Michèle Péquegnat
Einrichtung Übertitel Stephan Ruch
Lektorat Übertitel Meike Lieser | Béatrice Schmidt | Véronique Le Roy 
Übertitelinspizienz Valentina Lisa Bättig | Martha Roquet |
Stephan Ruch

Die Ausstattung wurde in den eigenen Werkstätten hergestellt.

1 – Leonardo Galeazzi
2 – Charles Rice, Remy Burnens
3 – Marta Pluda, Anastasia Evdaimon, Leonardo Galeazzi, Gemma Ní Bhriain, Bianca Tognocchi 
4 – Michèle Péquegnat, Leo Vettoretti, Leonardo Galeazzi, Charles Rice
5 – Marta Pluda, Remy Burnens, Charles Rice, Bianca Tognocchi, Gemma Ní Bhriain, Konstantin Nazlamov, Chor TOBS!
6 – Remy Burnens, Konstantin Nazlamov
© Joel Schweizer

Ein irischer Falstaff

«Falstaff» – war das nicht die letzte Oper von Verdi? Richtig. Aber schon 55 Jahre davor gab es eine Falstaff-Oper, geschrieben von dem irischen Komponisten Michael William Balfe – eine Wiederentdeckung, die sich lohnt.

Shakespeares unsterbliche Theaterstücke haben in vielen Künsten ihre Spuren hinterlassen, und besonders naheliegend ist natürlich das Musiktheater. Die Person des Sir John Falstaff spielt in drei Stücken von Shakespeare eine Rolle, aber in «The Merry Wives of Windsor» (entstanden um 1597) erscheint sie besonders eindrücklich. Die typischerweise dicke, joviale, Frauen verfolgende Figur ist zu einem der bekanntesten Charaktere auf der Bühne geworden – dank Shakespeare, dank Verdi, und auch dank einiger Verfilmungen dieses Stoffs.

Der Stoff war auf der Opernbühne schon lange vor Verdi (1893) zu erleben, auch wenn sich keiner der fünf oder sechs relativ bekannten Vorgänger im Repertoire durchsetzen konnte – denken wir etwa an die «Falstaff»-Opern von Antonio Salieri (1799) und Adolphe Adam (1856) oder an deutschsprachige Opernadaptionen von «Die lustigen Weiber von Windsor» von Peter Ritter (1794), Karl Ditters von Dittersdorf (1796) oder Otto Nicolai (1849). Dasselbe galt auch für Michael William Balfes «Falstaff». Manche dieser Werke sind recht leichter Stoff, und auch Balfe war zeitlebens nicht unbedingt für dramatische oder musikalische Tiefgründigkeit bekannt. Seine grössten europäischen Erfolge waren «The Bohemian Girl» (1843; auch bekannt als «La Bohémienne» oder «Die Zigeunerin»), «Les Quatre fils Aymon» (1844; auch «Die vier Haimonskinder»), «The Rose of Castille» (1857) und «Satanella» (1858). Diese Werke, die ausser «Les Quatre fils Aymon» (Paris) alle in London uraufgeführt wurden, sind von Rossini inspirierte leichte Kost, durchsetzt mit gesprochenen Anteilen, die immer wie Überleitungen von einem «Lied» zum anderen fungieren. Denn hier lag Balfes besondere Stärke: Er hatte ein beeindruckendes Talent für eingängige Melodien, und die gedruckten Auszüge seiner «favourite hits» waren stets eine wesentliche Grundlage für sein wirtschaftliches Wohlergehen.

Michael William Balfe wurde 1808 in Dublin geboren und galt schnell als musikalisches Wunderkind. Er erhielt Unterricht durch den Komponisten William Michael Rooke (eigentlich O’Rourke) und den Violinisten James Barton. Schon im Kindesalter trat er auf den grossen Bühnen der Stadt auf, wie der Rotunda und dem Theater in der Crow Street. Als er 14 Jahre alt war, starb sein Vater, und er wurde als Violinist im Orchester des Theatre Royal in London angenommen, das sein Landsmann Thomas S. Cooke leitete. Noch immer Teenager, ging er 1825 zunächst nach Paris, wo er ersten Kompositionsunterricht bei Luigi Cherubini erhielt, und noch im selben Jahr nach Mailand, wo er Kontrapunkt bei Vincenzo Federici erlernte und Gesangsschüler von Filippo Galli wurde. Schon bald kehrte er (bis 1828) zu Cherubini nach Paris zurück und debütierte im Januar dieses Jahres als Bariton in Rossinis «Il barbiere di Siviglia» am Théâtre Italien. Nachdem er schon seit 1822 erste eigene Lieder in Dublin und London veröffentlichen konnte, teilte sich seine Laufbahn ab 1828 in eine Sänger- und eine Komponistenkarriere.

Balfes frühe Kontakte nach Italien sollten sich bald auszahlen. Die ersten drei seiner 29 Opern entstanden auf italienische Texte und an italienischen Opernhäusern: Palermo im Juni 1829, Pavia im Mai 1831 und Mailand im Februar 1833. Seine erste englischsprachige Oper, «The Siege of Rochelle», wurde im Herbst 1835 in London (Theatre Royal) ein grosser Erfolg, gefolgt von weiteren grösseren und kleineren Erfolgen. Mitte der 1840er Jahre schrieb er zudem drei Opern auf Französisch für Pariser Opernhäuser, wo auch mehrere seiner englischen Opern in französischen Fassungen zu hören waren. «Blanche de Nevers» (1863) und die kleine Operette «The Sleeping Queen» (1864) waren seine letzten Bühnenwerke. Obgleich keine davon an den Erfolg von «The Bohemian Girl» heranreichte, war Balfe der meistgespielte Komponist englischsprachiger Opern im 19. Jahrhundert vor der Ära von William S. Gilbert und Arthur Sullivan. 

«The Bohemian Girl» wurde noch bis in die 1930er Jahre regelmässig gespielt und sogar von Laurel & Hardy persifliert. Aber den Veränderungen in Repertoire und Geschmack nach dem Zweiten Weltkrieg hatte auch diese Oper nichts entgegenzusetzen.

Falstaff - Trailer


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«Falstaff»

Balfes Verbindungen nach Italien und zu seinen Künstlern rissen auch in London nicht ab. Und so bekam er 1838 den Auftrag für die Komposition einer italienischen Oper an der Italian Opera Company («Her Majesty’s Theatre»). Als Libretto wählte er «Falstaff» von Manfredo Maggioni, basierend auf Shakespeares «Merry Wives of Windsor». Anders als Balfes englischsprachige Opern enthält sein «Falstaff» keinen gesprochenen Text, sondern ist eine durchkomponierte, typisch italienische Opera buffa. Die Oper in zwei Akten wurde offenbar innerhalb von wenigen Wochen geschrieben und einstudiert: Den Auftrag bekam er Anfang Mai und die Uraufführung fand schon am 19. Juli 1838 statt. Hier lief sie bis zum Ende der Saison Anfang August.

Balfe war es gelungen, für die Hauptrollen die prominentesten italienischen Gesangsstars seiner Zeit zu besetzen. Die Titelrolle sang der bekannte Bass Luigi Lablache – ein Italiener französisch-irischer Abstammung –, der Tenor Giovanni Battista Rubini sang die Rolle des Carlo Fenton, der Bariton Antonio Tamburini die des Mr Ford, und keine Geringere als die Sopranistin Giulia Grisi verkörperte Mrs Rosa Ford. Diese vier hatten im Januar 1835 bereits die Uraufführung von Vincenzo Bellinis «I Puritani» in Paris gestaltet und wurden in der Folge als «Puritani Quartett» bekannt. Balfe kannte sie persönlich und schrieb ihnen die Partien sozusagen auf den Leib; Lablache soll gesagt haben, seine Rolle passe ihm wie ein Handschuh.

«Falstaff» war 1838 in London ein grosser Erfolg. Bewundert wurde neben dem typisch italienischen Charakter, den man einem irisch-britischen Komponisten offenbar nicht ganz zugetraut hatte, auch die Tatsache, dass er solch prominente Sängerstars gewinnen konnte, die damals immerhin in ganz Europa inklusive Russland gefragt waren.

Dass die Oper eine so kurze Aufführungsgeschichte hatte, ist angesichts der Qualität der Partitur tatsächlich ein Rätsel. Die unglückliche Platzierung der Oper am Ende der Saison mag ein Faktor gewesen sein, der volle Kalender der beteiligten Künstler*innen ein anderer. Auch der hohe sängerische Anspruch an einige der Vokalnummern ist gelegentlich als Grund angeführt worden. Balfe selbst schrieb kontinuierlich eine Oper nach der anderen und konzentrierte sich offenbar stets vor allem auf die nächste Novität. Als er 1848 selbst Direktor der Londoner Italian Opera geworden war, wurde eine Wiederaufnahme des «Falstaff» mit der legendären Jenny Lind in der Rolle der Mrs Ford angekündigt, zu der es jedoch aus unbekannten Gründen nicht kam. 1856 war eine Aufführung am Théâtre Italien in Paris im Gespräch, die ebenfalls scheiterte. Lediglich einige der Solo-, Duo- und Trionummern kamen immer wieder im Rahmen von Liederkonzerten zur Aufführung – dies auch wiederholt in Dublin.

Dublin wurde schliesslich zum Ausgangspunkt eines modernen Revivals. Zu Balfes 200. Geburtstag im Jahr 2008 wurde mittels der neuen Partitur von Valerie Langfield eine konzertante Aufführung in der National Concert Hall gegeben – eine Aufnahme davon erschien 2011 als Doppel-CD beim irischen Label RTÉ lyric fm. Eine deutsche Erstaufführung fand im September 2022 am Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz (Sachsen) statt. In Biel präsentiert sich der irische «Falstaff» nun erstmals dem Schweizer Publikum.

Dr. Axel Klein, Frankfurt am Main (www.axelklein.de)

Shakespeare in der Oper

William Shakespeare (1564-1616) ist unzweifelhaft der meistvertonte Bühnenautor der Welt, dessen Dramen auch in der Gegenwart immer wieder neue Musiktheaterwerke inspirieren. Als Michael William Balfe 1838 seinen «Falstaff» schrieb, war die Situation noch eine andere.

Bezeichnenderweise kam Balfes Oper seinerzeit in London auf den Spielplan: In England war die Shakespeare-Tradition nie abgerissen, und schon früh wurden Gedichte des «Barden», später auch seine Theaterstücke, in Musik gesetzt. Ein frühes Beispiel ist Henry Purcells Semi-Oper «The Fairy Queen» (1692), die von Shakespeares «Midsummer Night’s Dream» inspiriert ist. Im frühen 19. Jahrhundert prägte Henry Bishop die Londoner Bühnen mit seinen zahlreichen Shakespeare-Adaptionen, die er oft mit der Musik anderer Komponisten durchsetzte, etwa von Mozart. 

Eine originale Shakespeare-Oper von Mozart gibt es leider nicht, obwohl es konkrete Hinweise gibt, dass er 1791 eine deutschsprachige Vertonung von «The Tempest» ins Auge fasste. Sein früher Tod verhinderte diese, es blieb beim Libretto «Die Geisterinsel» von Friedrich Wilhelm Gotter, das später von Johann Friedrich Reichardt (1798) und Johann Rudolf Zumsteeg (1805) vertont wurde. Mozart wäre mit einer «Tempest»-Vertonung einer der frühesten Shakespeare-Komponisten in deutscher Sprache geworden, denn obgleich die legendären Übersetzungen von Wieland (1762-66) und später Schlegel und Tieck (1797-1810) Shakespeare in Deutschland zum vielzitierten «dritten deutschen Dichter» machten, kam es doch erst nach und nach zu Vertonungen. Georg Anton Benda schuf mit «Romeo und Julie» 1776 die älteste nachgewiesene deutschsprachige Shakespeare-Oper und zugleich die vermutlich erste Vertonung dieser berühmten Liebestragödie überhaupt. Die Handlung nahm allerdings, den Konventionen der Zeit entsprechend, einen glücklichen Ausgang.

Falstaffs Abenteuer kamen mit «Die lustigen Weiber von Windsor» innerhalb weniger Jahre gleich mehrfach auf die Bühne: 1794 und 1796 stellten Peter Ritter bzw. Carl Ditters von Dittersdorf ihre jeweiligen deutschen Singspiele vor. 1799 folgte in Wien «Falstaff ossia Le tre burle» des berühmten Antonio Salieri. Es war eine der ersten italienischsprachigen Shakespeare-Opern, ebenso wie 13 Jahre zuvor Stephen Storaces «Gli equivoci» nach der «Comedy of Errors». 

In Frankreich zündete der Shakespeare-Funke erst 1827 anlässlich des Gastspiels einer englischen Truppe mit der irischen Schauspielerin Harriet Smithson in Paris. Hector Berlioz entflammte nicht nur für die Künstlerin, die seine erste Ehefrau wurde, sondern auch – als einer der ersten französischen Komponisten – für die Werke des englischen Dichters, die ihn lebenslang inspirieren sollten. Seine dramatische Sinfonie «Roméo et Juliette» entstand 1839, nur ein Jahr nach Balfes «Falstaff».  Später folgten Opern wie Gounods «Roméo et Juliette» (1867) oder Ambroise Thomas’ «Hamlet» (1868), die Shakespeares Werk im französischen Musiktheater etablierten.

Am längsten war Shakespeares Weg ins heutige Italien. Zwar gab es die genannten italienischsprachigen Werke von Storace und Salieri, doch diese waren in Wien uraufgeführt worden. Balfes italienischer «Falstaff» kam in London heraus. Rossinis «Otello» (Neapel 1816) und Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» (Venedig 1830) beruhen wiederum nicht auf Shakespeare, sondern auf dessen Quellen. Denn es gab noch keine adäquate italienische Übersetzung von Shakespeares Werken, sein Theater war in diesem Kulturraum noch nicht aus erster Hand bekannt. Das änderte sich erst mit Carlo Rusconis Prosaübersetzung von 1838 und Giulio Carcanos Versübersetzung von 1843, die eine ganze Reihe von italienischsprachigen Shakespeare-Opern inspirierten. Den Anfang machte Giuseppe Verdis «Macbeth» 1847, ihm folgten viele weitere Komponisten.
Verdis Spätwerke «Otello» (1887) und «Falstaff» (1893) zählen bis heute zu den bedeutendsten Vertonungen von Shakespeares Dramen.

Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Menge der Shakespeare-Vertonungen schier unüberschaubar. 1991 (online 2023) erschien «A Shakespeare Music Catalogue» von Bryan N. S. Gooch und David Thatcher, der alle musikalischen Werke mit Shakespeare-Bezug erfasste, von denen die Musikwissenschaft Kenntnis hatte. Er umfasste bereits damals etwa 20.000 Kompositionen, aufgelistet in fünf Bänden…

Meike Lieser

Unterstützung

Wir danken unseren Sponsoren & Partnern für Ihre Unterstützung.

Wir danken dem Café Odéon und der Zeitung BielBienne.

Trägerschaft

Trägerschaft

Stadt Biel

Stadt Solothurn (mit Unterstützung von Kanton und Gemeinden der Repla Solothurn)

Kanton Bern

Gemeindeverband Kulturförderung Biel/Bienne-Seeland-Berner Jura

Impressum

Impressum

Aufführungsrechte:
Aufführungsmaterial herausgegeben 2008/2015 von Valerie Langfield auf Basis der Originalquellen
Reduzierte Fassung (2026) von Valerie Langfield

Herausgeber:
Theater Orchester Biel Solothurn TOBS!
www.tobs.ch
Saison 2026/27
Programm Nr. 1

Intendant: Dieter Kaegi
Stellvertretender Operndirektor: Francis Benichou
Redaktion: Axel Klein (Ein irischer Falstaff),
Meike Lieser (alle anderen Texte)
Übersetzung: Isabelle Wäber
Lektorat: Béatrice Schmidt
Layout: Aline Boder

Gestaltung: Republica AG
Fotos der Klavier- und Orchesterhauptprobe
vom 07. und 08. September 2026:
Joel Schweizer
Fotoauswahl: TOBS!

September 2026

Alle Texte sind Originalbeiträge für dieses Programmheft. 
Das Interview mit Franco Trinca führte Meike Lieser am 8. August 2026.

Literaturhinweise (Auswahl):
Basil Walsh: Michael William Balfe. A Unique Victorian Composer. Irish Academic Press, Dublin 2008
Céline Frigau: Le Falstaff de Manfredo Maggioni et Michael Balfe: façonner un opéra italien pour le public anglais. In: Revue Lisa Vol. 9 (2011) No. 2. https://journals.openedition.org/lisa/4351 
https://www.britishandirishworld.com/
BELCANTO – Historische Aufführungspraxis in der italienischen Oper von Rossini bis Verdi (mit Audio-CD). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2008
William Shakespeare: The Merry Wives of Windsor. Herausgegeben von H.J. Oliver. The Arden Shakespeare, Methuen & Co. Ltd., London 1971
Gary Schmidgall: Shakespeare and Opera. Oxford University Press, Oxford 1990
Bryan N. S. Gooch / David Thatcher: A Shakespeare Music Catalogue, Vol. I-V. Clarendon Press, Oxford 1991 

Fotografieren, Filmen sowie Tonaufnahmen sind während der Vorstellung aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet.

Die Veranstaltungsplakate können an der Theaterkasse erworben werden.

Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung zur Inszenierung: direktion[at]tobs.ch